Studium und Anfänge

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Maiba
Maiba
1962
Maiba
1962
Kopf Maiba II
1962
Republik der Träume. Paraphrase auf Bruno Schulz
1962
Figur Malte
um 1959
Ohne Titel
um 1959
Grauer Kopf
um 1958/59
Ohne Titel
1958
Atelier in einer Remise, Reinhold-Frank-Straße, Karlsruhe,  1959
Atelier in einer Remise, Reinhold-Frank-Straße, Karlsruhe,  1959 © privat

Die frühesten bekannt gewordenen Arbeiten stammen aus Stöhrers Studienzeit an der Staatlichen Akademie Karlsruhe. Während nur ein Minimalbestand an Leinwandarbeiten nachweisbar ist, belegen Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Nachlass eine umfassende Produktion zwischen 1958 und 1959.

Auf der Suche nach einer Idee, Figuration neu zu formieren, setzt Walter Stöhrer bei den Grundelementen Farbe und Linie an. Er tastet sich über den Grund, drückt Farbe aneinander. Der bewusste Aufbau kontrastiert indes bereits in dem Gemälde „Ohne Titel“ von 1958 (WV 58.3) mit dem Eigenleben der Farblinie. Aus der Umrisslineatur ist eine in den Farbschichtungen eingeschriebene, aus dem ursprünglich roten Grund entwickelte autonome Gestaltlineatur geworden. Zugleich sucht Walter Stöhrer im zentralen Bildgeschehen eine Verfeinerung der Farbnuancierung. Folgerichtig macht er einerseits den gesamten Bildraum zur Farbgestalt „Grauer Kopf“ von 1958 (WV 58.10), um andererseits das Eigengewicht von Pinselzügen zu betonen und zu einer strukturell offenen Gestalt zu kommen, „Ohne Titel“ 1959 (WV 59.8).

Um die Jahreswende 1959/1960 bricht er sein Studium ab und geht nach Berlin. Während er Arbeiten auf Papier mitnehmen kann, lässt er alle bis zu diesem Zeitpunkt entstandenen Gemälde, die in seinem Besitz sind, in Karlsruhe zurück. Über ihren Verbleib ist nichts bekannt.

Atelier in einer Remise, Neue Hochstraße, Berlin-Wedding, 1962 © privat

Zunächst ohne dauerhafte Arbeits- und Wohnmöglichkeit findet er im Herbst 1960 in der neuen Hochstraße im Wedding eine Remise, die er sich mit dem Bildhauer Rolf Szymanski und dessen Frau, der Grafikerin Gisela Riefert, teilt.

Es entstehen Zeichnungen, Tuschen und Aquarelle. Unzählige Skizzen auf unterschiedlichsten Papieren näht er zu Heften zusammen. Er malt auf Leinwand und Nessel, auf Pappen und Presspanplatten. Einen Arbeitsschwerpunkt legt er auf das Radieren. Neben Zinkplatten verwendet er auch angefallene Zinkreste aus Klempnerwerkstätten.

Gedruckt wird auf einer Wäschemangel, die er bei einem Trödler gekauft hat, den fehlenden Filz ersetzt eine Wolldecke.
Bei Freunden im Garten, Berlin, 1962 © privat

Die in Federzeichnungen entwickelten biomorphen Formfindungen fließen ab 1961 in die Radierungen und ab 1962 auch in die Leinwandarbeiten ein, „Hommage à Soutine“ (WV62.12)  und führen zu einer Ablösung der gerüstartig konstruierten Figuren aus den Jahren 1959/60 wie in Figur“ Malte“ (WV 60.1) Gänzlich entfallen ist in „Republik der Träume“,1962 (WV 62.1) ein lineares Gerüst, in dessen Dynamisierung angedeutete Teilfigurationen eingeschrieben sind. Dominant ist nun vielmehr die sich aus der Mittelachse nach rechts entwickelnde amöbenhafte Figuration selbst. Gerade das Nebeneinander der nahezu gleichzeitig entstandenen Werke von „Kopf Maiba II“, 1962 (WV 1962.26 )sowie „Maiba“, 1962 (WV 1962.2) und „Maiba“, 1962 (WV 1962.23) macht deutlich, dass Stöhrer konkurrierend wie dialogisch die Einzelfigurationen forciert, um sie zugleich in einem Bildganzen aufgehen zu lassen „Maiba“, 1962 (WV 62.25).

nbf/hf