Traumzeit II
1994
Traumzeit
1994
Eine Idee genügt ein Leben zu organisieren und es in ungewöhnliche aber lebensfähige Formen zu projizieren J. Ashbery
1993
Zimtläden Hommage à Bruno Schulz
1992
Aber vor allem Flügel Zähne und Klauen II
1991
Zufallssensibilität treibt Funken von Gedanken durch Worte über innen nach außen
1990
Mache die Gegenwart zu keinem Mittel der Zukunft Hommage à Jean Paul
1990
Nadja XI Hommage à André Breton
1988
Nadja XI Hommage à André Breton
1988
Nadja IV Hommage à André Breton
1988
Mache die Gegenwart zu keinem Mittel der Zukunft II
1987

In Scholderup arbeitet Stöhrer in den Semesterferien. Da er die hellen Sommermonate für die Malerei bevorzugt, verlagert er die Arbeit mit der Radierung auf Herbst und Winter. Während seines ersten Aufenthaltes im Frühjahr 1987 entsteht eine Folge von Malereien auf Papier und Leinwand. Der Titel

"Mache die Gegenwart zu keinem Mittel der Zukunft"
(WV 87.3)

zitiert Jean Paul, mit dem sich Stöhrer in dieser Zeit beschäftigt. In diesen Arbeiten kündigt sich die Steigerung des Dialogs zwischen einer Transparenz der Farbverdichtung und einer Offenheit der Figuration an − bis hin zu jener "Nadja"-Folge 1988, in welcher die bis dahin radikalste Auseinandersetzung mit dem Fragment als Zielpunkt auftritt. "Nadja IV" (WV 88.7) markiert diese Zuspitzung.

Arbeit an "Vor allem Flügel, Zähne und Klauen", Garten Scholderup, 1991 © privat

Gleichzeitig entsteht der Dialog schwarzer und gelber Farbbahnen, wie in „Nadja IX Hommage à A. Breton“ (WV 88.9) und „Nadja XI Hommage à Breton“ (WV 88.10.) sowie das Einfärben der Leinwand als Handlungsraum „Mache die Gegenwart zu keinem Mittel der Zukunft Hommage à Jean Paul“ (WV 90.14), worauf er in den Folgejahren wieder zurückgreift.. Dabei zeigt "Zufallssensibilität treibt Funken von Gedanken durch Worte über innen nach außen" von 1990 (WV 90.15) wie Stöhrer die Themen Fragment und Farbraum zugleich diskutiert. In dem Bild "Aber vor allem Flügel Zähne Klauen II " (WV 91.9) taucht dann erstmals die zentral gesetzte Doppelfigur als dominantes Spannungselement auf, bevor er in "Zimtläden. Hommage à Bruno Schulz" (WV 92.10) das Prinzip der offenen Gesamtfiguration als Reizpunkt zu nutzen beginnt. In "Eine Idee genügt, ein Leben zu organisieren und es in ungewöhnliche, aber lebensfähige Formen zu projizieren" (93.17) nimmt er dann jene transparente Farbraumintensität vorweg, welche in den nachfolgenden "Traumzeit"-Bildern (WV 94.12 und WV 94.13) noch gesteigert wird.

Vor dem Haus in Scholderup © Bogislav Wentzel

1990 wird aus einer Auswahl an Radierungen, die in den vorhergehenden Jahren entstanden sind, die Mappe "Les Grenades" in einer Auflage von 50 nummerierten Exemplaren in der edition manus presse, Stuttgart ediert. Der Titel zitiert den Text des gleichnamigen Gedichtes von Paul Valéry, der den Mappen auf gesondertem Bogen beigefügt ist. In der Folgezeit spielt Stöhrer in den Radierungen − von der Vielgestaltigkeit der Einzelfiguration ausgehend − die Möglichkeiten und Varianten einer Vereinfachung derselben durch. Von den nahezu 150 Platten, die zwischen 1990 und 1991 bearbeitet werden, kommen später jedoch nur vereinzelt Blätter in den Handel. 1991 sichtet Stöhrer seine Radierungen als Ausgangsmaterial für neue Bildkonzeptionen. Die getroffene Auswahl, gedruckt auf großformatiges Büttenpapier, nimmt er aus Berlin mit nach Scholderup. Auf einigen der in diesem und bis 1993 entstehenden großformatigen Arbeiten unter den Titel „Aber vor allem Flügel Zähne Klauen“ und „ Wir erzählen einander Bruchstücke unserer eigenen fremden Vergangenheit übernehmen“ die Schwarz- Weiß-Radierungen für die Malerei, wohl auch bedingt durch ihre Platzierung zentrierende Funktion und sind Vorgabe für die Ausfaltung des formal durch die Radierung Vorgegebenem durch malerische Nuancierung (P92.1 und P92.25) und (P93.5 und P93.9) Für die Arbeit an Farbradierungen greift Stöhrer auf bereits vorhandene, offen gehaltene Ätzungen zurück, aus denen er Platten auswählt, die als Trägerplatte ihm strukturgebend erscheinen. Auch Farbradierungen werden Ausgangsbasis für Arbeiten auf Papier,“Vom Verschwinden der Radierung“, eine malerische Form der Einverleibung und Ausfaltung zugleich.

nbf / hf

Mit Johannes Kahrs im Atelier Scholderup, um 1990 © privat